Biologische Vielfalt
Biodiversi-Was?
Biodiversität oder biologische Vielfalt bezeichnet die Vielfalt des Lebens auf der Erde. Diese umfasst drei Bereiche: die Vielfalt aller Tier- und Pflanzenarten, die genetische Vielfalt und die Vielfalt an Lebensräumen.
Bedeutung von Biologischer Vielfalt
Die Ökosystemleistungen sichern unser Überleben und erhöhen unsere Lebensqualität in der Stadt. Die Graphik zeigt beispielhaft welche Ökosystemleistungen es gibt und auf welche Bereiche unseres Lebens sie sich auswirken.
Ursachen des Rückgangs
Ursachen für die Gefährdung und das Aussterben von Tieren und Pflanzen
- Zerstörung von Lebensräumen (Habitaten) durch Baumaßnahmen für Siedlungen, Straßen und Gewerbegebiete
- Einbringung fremder Arten, welche die einheimischen Arten gefährden (invasive Arten)
- Intensivierung der Landwirtschaft, mit überhöhtem Biozideinsatz
- Übernutzung von Ressourcen (extremer Rohstoffabbau, naturferne Bewirtschaftung)
- Verhinderung oder Einschränkung natürlicher Prozesse wie die Eindeichung und Verbauung von Flüssen, die Entwässerung und Verdichtung von Böden, die Aufforstung von Offenland oder das Anlegen von Monokulturen
- Eintrag von Schadstoffen in Luft, Gewässer und Boden sowie Nährstoffübersättigung
- Der Klimawandel.
Politischer Rahmen
Kommunale Ebene
In Norderstedt wird das Thema biologische Vielfalt vom Umweltausschuss bearbeitet. Er kommt jeden 3. Mittwoch im Monat um 18:30 Uhr zu einer Sitzung zusammen, an der auch die Öffentlichkeit teilnehmen kann. In der Einwohnerfragestunde können sich die Bürgerinnen und Bürger mit Ihrem Anliegen direkt an die Politikerinnen und Politiker wenden.
Seit 2017 ist Norderstedt Mitglied im Bündnis „Kommunen für biologische Vielfalt“, das den Austausch zwischen den Kommunen vereinfacht und die Relevanz der biologischen Vielfalt in den Kommunen hervorhebt. Mehr Informationen zum Bündnis finden Sie zum Beispiel hier.
Nationale Ebene
In Deutschland wurde - zusätzlich zum Bundesnaturschutzgesetz - im Jahre 2007 die Nationale Strategie zur biologischen Vielfalt beschlossen. Ziel der Strategie war es (u. a.), den Rückgang der biologischen Vielfalt bis 2010 in Deutschland aufzuhalten und danach eine positive Entwicklung der Biodiversität einzuleiten. Dieses Ziel wurde weit verfehlt, weshalb die sofortige Umsetzung passender Maßnahmen umso dringender ist. Weitere Informationen zur Nationalen Strategie finden Sie zum Beispiel hier.
Internationale Ebene
Die Europäische Union (EU) hat im Jahre 2011 die Biodiversitätsstrategie der EU bis 2020 vorgelegt. Sie soll dazu dienen, den Verlust an biologischer Vielfalt und die Verschlechterung der Ökosystemdienstleistungen in der EU aufzuhalten und den weltweiten Verlust an biologischer Vielfalt zu verhindern. Weitere Informationen finden Sie zum Beispiel hier.
Globale Ebene
Die Vereinten Nationen (englisch United Nations - UN) haben bereits im Jahre 1992 ein Übereinkommen über die biologische Vielfalterarbeitet (Originaltitel: Convention on Biodiversity), das bisher von 196 Staaten anerkannt wurde. Weitere Informationen finden Sie zum Beispiel hier.
Zudem haben die Vereinten Nationen die Jahre 2011-2020 zur UN-Dekade biologische Vielfalt erklärt, um auf den Schwund der biologischen Vielfalt aufmerksam zu machen und das Engagement zum Schutz der biologischen Vielfalt zu fördern. Weitere Informationen finden Sie zum Beispiel hier.
Maßnahmen und Projekte der Stadt Norderstedt
Kommunen für biologische Vielfalt
Die Stadt Norderstedt engagiert sich seit Jahren mit verschiedenen Projekten und Aktionen für den Erhalt der biologischen Vielfalt. Seit dem Jahr 2017 ist sie Mitglied im Bündnis „Kommunen für biologische Vielfalt e.V.“. Das Bündnis ist ein bundesweiter Zusammenschluss von über 430 Städten, Gemeinden und Landkreisen, welcher sich für artenreiche Naturräume im Siedlungsbereich und in der freien Landschaft einsetzt. Die Mitgliedschaft stellt eine Deklaration zum Erhalt der biologischen Vielfalt dar.
Weitere Informationen zum Bündnis finden Sie unter: https://kommbio.de/
Label StadtGrün naturnah
Die Stadt Norderstedt wurde mit dem Label „StadtGrün naturnah“ in der Stufe Silber ausgezeichnet. Honoriert wurde damit Norderstedts Engagement für ein naturnahes Grünflächenmanagement zur Förderung der biologischen Vielfalt. Norderstedt ist nun eine von insgesamt 81 zertifizierten deutschen Städten. Die Verleihung fand am 23. September 2025 in der Gastgeber-Stadt Kronberg im Taunus statt. Beworben hatte sich Norderstedt bereits im Oktober 2024.
Im Rahmen des fast einjährigen Zertifizierungsprozesses, erarbeitete die Stadt in Kooperation mit den lokalen Naturschutzverbänden eine umfangreiche Bestandserfassung von biodiversitätsfördernden Maßnahmen in den Bereichen „Grünflächenunterhaltung“, „Interaktion mit Bürgerinnen und Bürgern“ sowie „Zielsetzung und Planung“. Darüber hinaus wurde ein Maßnahmenplan entwickelt, mit welchem die biologische Vielfalt in Norderstedt zukünftig noch erhöht werden kann. Beides, sowohl die Bestandserfassung als auch der Maßnahmenplan, galt als Bewertungsgrundlage und wurde beim Bündnis Kommunen für biologische Vielfalt eingereicht.
Das Label ist drei Jahre über das Verleihungsjahr hinaus gültig. Danach besteht die Möglichkeit einer Rezertifizierung und die Chance, bei einer Leistungsverbesserung das Label in der Stufe Gold zu erhalten.
Die Stadt Norderstedt ist Mitglied im Bündnis „Kommunen für biologische Vielfalt“ und engagiert sich seit Jahren mit verschiedenen Projekten und Aktionen für den Erhalt der biologischen Vielfalt. Das verliehene Label „StadtGrün naturnah“ honoriert dieses Engagement nicht nur, sondern ist ein weiterer wichtiger Baustein und Anknüpfungspunkt für zukünftige Maßnahmen im Bereich Biodiversität.
Tag der biologischen Vielfalt
Gemeinsam mit der Stadtpark Norderstedt GmbH lädt die Stadt Norderstedt jährlich zum Tag der biologischen Vielfalt in den Stadtpark ein. 2017 wurde diese Veranstaltung zum ersten Mal ins Leben gerufen, um Menschen für die Vielfalt der Natur zu begeistern und zu sensibilisieren. Mit lokalen sowie regionalen Initiativen und Vereinen werden verschiedenste Informations- und Aktionsstände zum Mitmachen angeboten.
Die Inhalte sind jedes Jahr breit gefächert: vom ökologischen Nutzen einer Streuobstwiese, über insektenfreundliches Gärtnern, bis hin zum Arbeiten mit Naturmaterialien. Es wird u.a. geforscht, gepflanzt, gebastelt und gemalt, so dass jede Person, unabhängig vom Alter, sich dem Thema auf spielerische und kreative Art und Weise nähern kann. Das Angebot ist kostenlos.
22.06.2025 - Biodiversi-Was? Der Vielfalt der Natur auf der Spur!
Veranstaltung: Biodiversi-Was? Der Vielfalt der Natur auf der Spur!
Wann: 22.06.2025; 12:00 – 16:00 Uhr
Wo: Seepark /Promenade; Stadtpark Norderstedt
Eintritt frei
Programm
- Tauche beim Malen in die Unterwasserwelt ab! (Atelier Dürmeyer - Verein für Bildende Kunst in Norderstedt)
- Bilder aus Naturmaterialien basteln (Atelier Natürlich Kunst)
- Die Streuobstwiese als Insektenbiotop (BUND Norderstedt)
- Sonnenblumen: Von der Entwicklung bis zur Blüte + Pflanzaktion! („Draußenseits“)
- Der Naturgarten Ossenmoorpark – Teiche, Blühpflanzen, Bienen und andere Bestäuber (Förderkreis Ossenmoorpark e.V.)
- Naturschutz und Biodiversität in Mooren am Beispiel des Naturschutzgebietes Himmelmoor (Förderverein Himmelmoor e.V.)
- Interaktives Pflanzenmemory: Finde die passenden Pflanzen im Stadtpark und erhalte eine kleine Belohnung! (Fotoclub Norderstedt e.V.)
- Rätselspaß zu Zapfen und Tierspuren! (Höhle der Wunder)
- Hülsenfrüchte: Die Alleskönner! (Interkultureller Garten für Norderstedt e.V.)
- Basteln und Drucken mit Naturmaterialien (Kunstkreis Norderstedt e.V.)
- Forsche mit uns: Was ist Nachhaltigkeit für Dich? (Studierendenprojekt – Uni Hamburg)
- FuchsMobil: Erforsche große und kleine Tiere! (NABU Hamburg)
- Infos zum Erhalt der Artenvielfalt (NABU Norderstedt)
- Wie gut kennst du den Wald? Teste dein Wissen im Waldquiz! (Naturerleben Stormarn)
- Basteln mit Binsen: Armbänder, Körbe, Untersetzer etc. (Naturwerkstatt)
- Stacheliges Abenteuer! Bewegungsparcours aus Sicht eines Igels (Schleswig-Holsteinische Landesforsten AöR)
- Grünes Leben in Norderstedt: Informationen zu Naturrundwegen, Grünpatenschaften, Dachbegrünung und mehr! (Stadt Norderstedt)
- Kindertheater: Fantasievolles Erzähl- und Bewegungstheater mit viel Musik – auch zum Mitsingen. Geschichten über den Nutzen von Insekten sowie Lebewesen im Boden und das wahre Gold unserer Erde: Humus! – für alle Menschen ab 4 Jahre (Theater Mimekry)
- Spielzeiten
- 13:00-13:20 Uhr – Das große Gewusel – unter Deinen Füßen
- 14:30-14:50 Uhr – Das Insektenhotel
- 15:30-15:50 Uhr – Das große Gewusel – unter Deinen Füßen
- Spielzeiten
- Leseecke: Perfekt für alle Bücherwürmer und Leseratten!
Sandarium
Am Grünzug nördlich der Straße Reiherhagen in Friedrichsgabe hat die Stadt Norderstedt ein Sandarium angelegt.
Ein Sandarium ist ein künstlich angelegter Nistraum für erdbewohnende Insekten. Es besteht überwiegend aus ungewaschenem Sand, welcher einen natürlichen Lehmanteil enthält. Dieser ermöglicht den Bau von unterirdischen Gängen und Kammern, in denen sich die Insekten entwickeln können.
Um einen solchen Lebensraum zu schaffen, braucht es keine große Fläche - schon eine Fläche ab 40x40x40 cm leistet einen wertvollen Beitrag zur Förderung der biologischen Vielfalt.
Die Realisierung des Sandbeetes ist in Kooperation mit der Stabsstelle nachhaltiges Norderstedt, der städtischen Insektenbeauftragten sowie den Auszubildenden des Norderstedter Betriebsamtes möglich geworden.
Bedeutung von offenen Bodenstellen
Offener Boden ist im Siedlungsbereich selten zu finden – sowohl auf öffentlichem als auch auf privatem Grund. Durch hohe Nährstoffeintrage und einen verbreiteten „Ordnungssinn“ verschwinden vegetationsfreie Flächen. Daher finden Insekten, die für ihre Eiablage auf nährstoffarme, sandige Böden angewiesen sind, immer weniger geeignete Standorte für ihr Überleben. Das betrifft beispielsweise 75% der heimischen Wildbienenarten.
Totholzgarten
In Nähe der Falkenbergstraße am Falkenhorst entsteht ein Totholzgarten. Ziel ist die Sensibilisierung der Bevölkerung für den unscheinbaren Lebensraum Totholz.
Die Fläche am Falkenhorst wird mit verschiedenen Totholzelementen gestaltet, die sich in unterschiedlichen Zerfallsstadien befinden. So kann der langjährige Zersetzungsprozess wie im Zeitraffer vermittelt werden. Das Holz ist unbehandelt und wird unter Beachtung von Nachhaltigkeitsaspekten bezogen: Es stammt aus notwendigen Baumfällungen im Stadtgebiet und wird durch anfallendes Schnittgut und Gehölz ergänzt. Aus diesem Grund kann die Fläche erst nach und nach mit weiterem Totholz ausgestattet werden. Ergänzt wird der aufgezeigte Lebensraum um informative Elemente, die zum Teil interaktiv sind. Langfristig soll der Totholzgarten zum Entdecken, Informieren und Verweilen einladen.
Die Versiegelung von Flächen ist eine Ursache für den Verlust von Lebensräumen – strukturreiche, naturnahe Gärten und öffentliche Flächen können daher wichtige Trittsteinbiotope bilden. Sie verbinden mehrere Lebensräume, die sonst für einige Arten unerreichbar wären. Dazu zählen u. a. Totholzstrukturen, die auch im eigenen Garten angelegt werden können: ob als dekorative Benjeshecke, als Sitzmöglichkeit oder als einfach gestapelter Reisighaufen – der Kreativität sind keine Grenzen gesetzt. Wichtig ist nur, das Holz liegen bzw. stehen zu lassen.
Das Projekt wird durch die Stabsstelle Nachhaltiges Norderstedt koordiniert und findet in Kooperation mit den Fachbereichen Natur und Landschaft und den Auszubildenden des Betriebsamtes im Fachbereich Stadtpflegebetrieb statt.
Bedeutung von Totholz
Abgebrochene Äste und Stämme oder die Wurzeln gefällter Bäume: In dem, was viele als Abfall oder Unordnung bezeichnen, steckt das pure Leben. Totholz ist ein wertvoller Lebensraum für eine Vielzahl an Tier-, Pilz-, und Pflanzenarten. Besonders Insekten bietet es Nahrung, Nistplätze, Baumaterial und Schutz. Allein 25% (ca. 1750 Arten) aller Käfer in Deutschland sind auf Holz verschiedener Zerfallsstadien angewiesen. Auch Spinnen, Pilze, Moose und Flechten, Vögel, Amphibien, Reptilien, Fledermäuse und andere kleine Säugetiere wie Igel finden hier Unterschlupf und Nahrung. Darüber hinaus ist Totholz ein Wasser- und Kohlenstoffspeicher und wirkt positiv auf die Bodenqualität ein. Bei der Zersetzung des Holzes werden wichtige Nährstoffe freigesetzt. Dabei kommt es zur Bildung von Humus, welcher die Bodenfruchtbarkeit und dadurch das Pflanzenwachstum fördert.
"Blühende Zukunft": Gemeinsam Wissen schaffen und Norderstedt zum Blühen bringen
Wie sind die Grünflächen in Norderstedt von den Klimaveränderungen betroffen? Mit dieser Fragestellung konnte sich Norderstedt beim Wettbewerb „Auf die Plätze! Citizen Science in deiner Stadt“ unter 47 Teilnehmer*innen für das Finale mit dem „Ideensprint“ durchsetzen.
Im Ideensprint traten fünf ganz unterschiedliche Ideen gegeneinander an: Sprache checken in Neckarstadt-West, Geschichten vom Stadtrand aus dem Hamburger Süden, Netzwerke analysieren für die BUGA 2029, Baukultur in Dresden erforschen und ein Blühkalender für Norderstedt.
Leider wurde Norderstedt nicht von der Jury als eine der drei Preisträger*innen ausgewählt.
Wir gratulieren herzlich den drei ausgezeichneten Projekten: „Stadtrandgeschichten – Migration und gesellschaftliche Vielfalt erforschen“, „Baukultur und klimagerechte Architektur in Dresden – Gebäudewissen kartieren, erforschen und vermitteln“ und „Die Sprach-Checker – So sprechen wir in der Neckarstadt“. Ein Dankeschön geht auch an Wissenschaft im Dialog und das Museum für Naturkunde, welche in enger Zusammenarbeit mit der Plattform Bürger schaffen Wissen den Wettbewerb “Auf die Plätze! Citizen Science in deiner Stadt“ ausgerichtet haben.
Wie geht es weiter? Die hohe Beteiligung am Publikumsvoting – ein herzliches Dankeschön an alle, die für die Projektidee „Blühende Zukunft“ gestimmt haben - und der Auftaktworkshop im Stadtpark haben gezeigt, dass das Thema „Klimaveränderungen und Grünflächen“ viele Menschen in Norderstedt bewegt und Lust auf gemeinsames Forschen macht. Daher soll dieser Ansatz mit den verfügbaren Möglichkeiten weiterverfolgt werden. Und vielleicht ergeben sich neue Möglichkeiten, eine finanzielle Förderung zu erhalten.
Die Idee
Diese Idee überzeugte die Jury: Für Norderstedt soll ein lokaler Blühkalender entwickelt werden. Anhand der Blütezeit ausgewählter Pflanzenarten wird beobachtet, ob und wie sich diese im Laufe der Jahre verschiebt. Neben der notwendigen Artenkenntnis wird so auch vermittelt, wie sich Klimaveränderungen auf die Vegetation auswirken. Auf dieser Basis können Möglichkeiten zu Schutz und Verbreitung der Pflanzen unterstützt werden, um den zunehmenden Veränderungen des Klimas zu begegnen.
Jetzt soll aus der Idee ein Konzept werden. Dazu ist ein „Ideensprint“ vorgesehen, bei dem die verbliebenen fünf Finalteilnehmer*innen ihre Ideen weiter ausarbeiten können. Dabei kann die ganze Bevölkerung mitmachen: Citizen Science bedeutet, dass jede und jeder einen wichtigen Beitrag für die Wissenschaft leisten kann. Das geht schon beim „Ideensprint“ los. Damit eine „blühende Zukunft“ für Norderstedt zum Gewinn für alle wird.
Der Wettbewerb „Auf die Plätze! Citizen Science in deiner Stadt“ wird von Wissenschaft im Dialog und dem Museum für Naturkunde Berlin in enger Zusammenarbeit mit der Citizen-Science-Plattform Bürger schaffen Wissen umgesetzt. Gefördert wird das Verbundprojekt vom Bundesministerium für Bildung und Forschung.
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Essbare Stadt
Biologische Vielfalt erleben in der Essbaren Stadt
Jeder kennt den „Hokkaido“-Kürbis vom Wochenmarkt oder aus dem Supermarkt. Aber wer hat schon mal die „Blaue Banane“ oder den „Alten Hamburger Riese“ probiert? Oder wer weiß schon, dass es allein vom Riesenkürbis über 30 leckere Sorten gibt? Und das ist nur ein kleiner Teil von insgesamt an die 1.000 weiteren leckeren Kürbissorten …
Auf diesen Reichtum der biologischen Vielfalt möchte die Stadt Norderstedt aufmerksam machen – mit der Idee Essbare Stadt. In diesem Jahr stehen die unterschiedlichsten Sorten der Art Riesenkürbis im Blickpunkt. Auf der Grünfläche bei den Stadtwerken im Moorbekpark wachsen 30 verschiedene Kürbis-Sorten in grünen Big-Bags. Die gilt es zu entdecken – und im Herbst zu ernten und zu probieren!
Riesenkürbis - Riesenvielfalt
Der Kürbis ist eine der ältesten Kulturpflanzen der Erde und ernährt die Menschen schon seit Jahrtausenden. Zur Familie der Kürbisgewächse (botanisch: Cucurbitaceae) gehören zahlreiche Arten. Dazu zählen auch viele bekannte Pflanzen, von denen die wenigsten wissen, dass sie ein Kürbisgewächs sind – etwa Melone, Gurke und Zucchini. In Europa sind drei bedeutende Kürbis-Arten verbreitet: neben dem Riesenkürbis zählen auch Gartenkürbis und Moschuskürbis dazu.
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Gattung |
Art |
Deutscher Name |
Relativ weit verbreitete Sortenbeispiele |
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Cucurbita |
maxima |
Riesenkürbis |
Hokkaido, Bischofsmütze |
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Cucurbita |
pepo |
Gartenkürbis |
Spaghetti-Kürbis, Zucchini |
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Cucurbita |
moschata |
Moschuskürbis |
Butternut |
Riesen-Vielfalt
Riesenkürbisse liefern die größten und schwersten Früchte im gesamten Pflanzenreich. Im Extremfall wiegen sie auch mal so viel wie ein kleines Auto! Dabei ist ihre Bezeichnung „Riesenkürbis“ mitunter etwas irreführend, denn einige Sorten können durchaus klein sein. Außerdem unterscheiden sich die verschiedenen Sorten hinsichtlich Form, Größe, Farbe, Geschmack und Verwendungsmöglichkeit. Gegessen wird dabei immer die Frucht der Pflanze.
Erkennungsmerkmal
Woran lassen Riesenkürbisse erkennen, wenn es nicht die Größe ist? Sie unterscheiden sich von den anderen beiden bei uns verbreiteten Kürbisarten durch ihren dicken, schwammartigen Fruchtstiel, der vertrocknet, wenn der Kürbis reif ist.
Ernte
Zwischen August und Oktober werden Riesenkürbisse reif. Zu erkennen ist das daran, dass der Stiel dann vertrocknet und verholzt. Die Reife eines Kürbisses lässt sich auch mit der Klopfprobe ermitteln. Wenn man mit dem Finger leicht auf die Schale klopft, sollte ein hohles Geräusch ertönen. Das hilft, um sie nicht zu früh zu ernten. Zu langes Warten ist auch nicht gut: Kürbisse müssen spätestens vor den ersten Nachtfrösten geerntet werden.
Bei der Ernte sollte ein möglichst langer Stiel (ca. 10 cm) an der Frucht belassen werden. Er trocknet von oben her langsam ein. So ist der Kürbis länger lagerfähig. Gut ausgereift können Riesenkürbisse bis in den Winter hinein an einem kühlen und trockenen Ort gelagert werden, weshalb sie auch als „Winterkürbis“ bezeichnet werden.
Die reifen Früchte sind schmackhaft und können sehr vielseitig verwendet werden, sei es in Suppen, Aufläufen, Kuchen, Marmeladen oder gebraten. Bis auf die Sorten „Bischofsmütze“, „Green Hokkaido“ und „Zappho“ müssen alle hier wachsenden Riesenkürbisse vor dem Verzehr geschält werden.
Bedeutung der Nutzpflanzenvielfalt
Den wenigsten ist die Sortenvielfalt von Kürbis und anderen Nutzpflanzen bekannt, denn im Supermarkt findet man sie nicht. In der heutigen Landwirtschaft und auf dem Saatgutmarkt wird auf Hochleistung statt auf Vielfalt gesetzt. Lebensmittel sollen für den globalen Handel transportfähig sein, möglichst einheitlich in Form und Größe. Dadurch ist die genetische Vielfalt unserer Nutzpflanzen bedroht: Laut FAO, der Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen, sind im letzten Jahrhundert weltweit 75 % der Nutzpflanzenvielfalt verloren gegangen.
Warum brauchen wir die Vielfalt?
… weil sie unser Überleben sichert
Alle Nutzpflanzen wurden aus alten Sorten entwickelt. Deren genetische Vielfalt ist eine wichtige Voraussetzung dafür, auch heute noch neue Nutzpflanzen entwickeln zu können. Veränderte Lebensbedingungen – etwa aufgrund des Klimawandels – werden schnelle Anpassungen erfordern. Der Erhalt alter Sorten sichert die Vielfalt der Nutzpflanzen, welche Grundlage unserer Ernährung ist.
… weil sie die dem Klimaschutz dient
Die genetische Vielfalt ermöglicht es Lebewesen, sich an Umweltveränderungen anpassen zu können (Evolution). Und davon gibt es viele, nicht nur den Klimawandel. Solange sich Arten und Ökosysteme anpassen können, erfüllen sie wichtige Funktionen, die auch uns zugutekommen. Intakte Ökosysteme mit ihrer Vielfalt an Arten und Genen sorgen beispielsweise durch die Aufnahme und Speicherung von Kohlenstoff dafür, dass die Klimaveränderungen langsamer ablaufen. Das verschafft uns Zeit zum Handeln.
… weil sie uns bereichert
Alte, heute oft seltene Gemüsesorten bieten eine große Geschmacksvielfalt. Im Vergleich zu modernen Zuchtsorten verfügen sie oft über viel intensivere Aromen. Und unterscheiden sich voneinander in Aussehen und Geschmack. Je vielfältiger unsere Nahrung ist, desto geringer ist die Gefahr von Mangelkrankheiten oder Allergien.
… weil sie ein Teil der Kulturgeschichte ist
Das Wissen über die Vermehrung von Nutzpflanzen wurde über Hunderte, mitunter sogar Tausende Jahre hinweg mühsam erworben und weitergegeben – das ist ein wichtiger Bestandteil unserer Kulturgeschichte und ein Teil unseres Reichtums, der davon bedroht ist, verloren zu gehen.
Erhaltung durch Nutzung: Vielfalt bewahren
Die Sortenvielfalt bei den Nutzpflanzen ist über sehr lange Zeiträume aufgrund von unterschiedlichen Standortbedingungen, Auswahl, Züchtung und eine kontinuierliche Nutzung entstanden. Damit sind vielfältige Anpassungen an unterschiedliche ökologische Rahmenbedingungen verbunden. Über Jahrtausende hat die Vielfalt zugenommen, seit 1900 ist laut Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen 75% davon wieder verloren gegangen!
Um diesen Verlust zu stoppen, sind Anbau und Nutzung der gesamten Sortenvielfalt von Kulturpflanzen sehr wichtig. So bleibt sie durch natürliche Vermehrung erhalten, der Anpassungsprozess kann auf die die heutigen Bedingungen ausgerichtet werden und die alten Schätze geraten nicht in Vergessenheit. Dafür ist es wichtig, dass die Pflanzensorten samenfest sind, also eigenes vermehrungsfähiges Saatgut hervorbringen (also „Mehrweg-Saatgut“ bilden). Das ist eigentlich normal, aber bei den kommerziell vertriebenen Hybridsorten wird genau diese Fähigkeit herausgezüchtet, damit das Saatgut immer wieder neu gekauft werden muss („Einweg-Saatgut“).
Samenfeste Sorten bilden in der nachfolgenden Generation wieder ähnliche Merkmale aus wie sie in den Pflanzen der Eltern-Generation vorhanden sind. Kleine Abweichungen treten immer wieder einmal auf und bieten die Chance, dass sich über Generationen hinweg regionale Anpassungen an die Böden und das Klima ausbilden. Das macht die Pflanzen weniger anfällig für die typischen Schädlinge, Pflanzenkrankheiten und Frost-, Hitze- oder Trockenperioden.
Was kann ich für die Vielfalt tun?
- Durch den Anbau von alten, regionalen Sorten wird dafür gesorgt, dass sie nicht in Vergessenheit geraten. Sie können diese Sorten kennenlernen und sich an mehr Abwechslung erfreuen.
- Nutzen Sie samenfestes Saatgut von alten, regionalen Sorten. Idealerweise zirkuliert das Saatgut in der Region. Eine gute Anlaufstelle hierfür ist der Verein zu Erhaltung der Nutzpflanzenvielfalt (https://nutzpflanzenvielfalt.de)
- Die Pflanzen bilden Samen aus. Diese lassen sich ernten, wieder aussäen, weitergeben, tauschen – wodurch Erhalt und Verbreitung der alten Sorten gesichert werden kann. Das geht auch, wenn nur ein Balkon mit Blumentöpfen zur Verfügung steht.
ACHTUNG: Bei der Saatgutvermehrung von Kürbisgewächsen ist eine gewisse Vorsicht geboten, denn Kürbisse sind „Crossies“! Die verschiedenen Kürbissorten können sich miteinander kreuzen, wenn sie zu nahe nebeneinander wachsen. Der Grund dafür: Sie werden durch Insekten bestäubt und die können die Pollen über mehrere Hundert Meter bis zur nächsten Sorte tragen. Dann vermischt sich das Erbgut von zwei Sorten in der nächsten Generation. Dabei werden bei Kürbissen giftige Bitterstoffe gebildet, die für Menschen in größeren Mengen gefährlich werden können. Die Bitterstoffe heißen Cucurbitacine und kommen in den Urformen unserer Kürbisse und Zucchini ganz natürlich vor. Auf eine hohe Konzentration dieser Bitterstoffe reagiert der menschliche Körper mit Übelkeit, Erbrechen und Durchfall. Am besten probiert man daher immer erst ein kleines Stück und isst die Frucht nicht weiter, wenn sie bitter schmeckt.
Ziel ist es deshalb, bei der Saatgut-Vermehrung auf eine Sortenreinheit zu achten. Dafür empfehlen wir folgendes:
- Am einfachsten ist es, Sie pflanzen nur eine Sorte von einer Kürbis-Art an. Und für die Vermehrung von Saatgut achten Sie bitte darauf, dass in einem Umkreis von 250 m keine andere Sorte der gleichen Art wächst.
- Als Alternative können Sie die Pflanze auch selbst bestäuben und damit die Aufgabe der Insekten übernehmen: Schützen Sie je eine weibliche Blüte (erkennbar am Fruchtknoten = Mini-Kürbis, der am Stiel sitzt) und eine männliche Blüte (viel mehr und höher wachsend, ohne Verdickung am Stiel) vor der Bestäubung, indem Sie diese vor dem Öffnen mit einem Malerkreppband oder einer Wäscheklammer verschließen oder Sie mit einem kleinen, engmaschigen Insektenschutznetz umhüllen. Auf diese Art gelangt kein Insekt zum Bestäuben an die Narbe. Ist die Blüte voll entwickelt, gehen Sie mit einem sauberen Pinsel in eine männliche Blüte, öffnen die weibliche Blüte und übertragen den Pollen von Hand. Anschließend verschließen Sie die weibliche Blüte wieder und markieren sie: Aus genau dieser Blüte und dem daraus wachsenden Kürbis können Sie die Samen zur Vermehrung und Weitergabe nutzen.
Rezepte
Die große Vielfalt des Riesenkürbisses zeigt sich nicht nur in Form, Farbe und Größe. Auch geschmacklich haben die unterschiedlichen Kürbissorten einiges zu bieten. Mit den folgenden Rezepten bringen Sie kulinarische Vielfalt auf den Tisch. Es muss nicht immer Kürbis-Suppe sein. Wie wäre es mit einer leckeren Kürbismarmelade aus dem Gelben Zentner? Oder mit dem Grünen Hokkaido, der zu Kürbisplätzchen wird? Oder zur Abwechslung Kürbisgnocchi – z.B. aus der Sorte Marina di Chioggia?
Lassen Sie sich von unserer Rezeptauswahl inspirieren und schicken Sie uns Ihre Lieblings-Kürbis-Rezept entweder per Post oder an umwelt@norderstedt.de. Die kreativsten veröffentlichen wir hier.
Was kann ich tun? Handlungsmöglichkeiten
Weniger ist mehr!
Bereichern Sie Ihr Leben, indem Sie den Überfluss verringern und sich auf das konzentrieren, was Sie wirklich brauchen und gern haben.
Umnutzen statt verzichten!
Wechseln Sie zu Ökostrom und nutzen Sie LED-Leuchten; nehmen Sie mal wieder Ihr Fahrrad oder eines der Norderstedter Leihfahrräder; werfen Sie gut erhaltene Dinge nicht weg, sondern spenden oder verkaufen Sie sie weiter; reparieren Sie kaputte Dinge – zum Beispiel im Norderstedter Repair Café – anstatt sie wegzuwerfen.
In Norderstedt gefunden:
Fahrradleihsysteme nextbike und TINK
Lecker einkaufen!
Kaufen Sie möglichst regionale, ökologisch produzierte Lebensmittel und fairtrade – zum Beispiel im Biomarkt oder auf dem Markt. Bereichern Sie Ihre Mahlzeiten mit mehr Alternativen zu Fleisch und Fisch. Wenn Fleisch, dann kaufen Sie Bio-Fleisch. Nutzen Sie Kosmetika, Toilettenpapier, Wasch- und Putzmittel, die für ihre Umweltfreundlichkeit ausgezeichnet sind und für die recyceltes Material genutzt wird. Nehmen Sie einen Karton oder Leinenbeutel zum Einkaufen mit und verzichten Sie auf Plastiktüten.
In Norderstedt gefunden:
Lassen Sie sich von der Vielfalt heimischer Apfelsorten auf der Norderstedter Streuobstwiese überraschen.
Vielfalt im eigenen Garten!
Pflanzen Sie in Ihrem Garten nur heimische Pflanzen und achten Sie auf ein ganzjähriges Blühangebot. Nutzen Sie nur Mutterboden ohne Torfanteil und setzen Sie keine Herbizide ein. Ersetzen Sie Zäune durch Hecken. Geben Sie heimischen Tieren ein Zuhause: Stellen Sie Vogelnistkästen, Fledermauskästen und Insektenhotels auf.
Familie und den sozialen Umkreis einbeziehen!
Reden Sie mit Ihrer Familie, ihren Freundinnen und Freunden und Bekannten über die Bedeutung der biologischen Vielfalt als „Naturerbe“ und für ein gutes Leben heutiger und kommender Generationen.