Tauben im Stadtgebiet

Stadttauben

Unter Stadttauben oder Straßentauben werden alle frei lebenden Zucht- und Brieftauben verstanden. Es handelt sich um die Nachkommen der aus der Felsentaube herausgezüchteten einzelnen Rassen und deren Kreuzungen. Nachdem die einstigen „Rennpferde des kleinen Mannes“ durch den Krieg oftmals ihre Besitzer verloren haben, mussten sie sich selbst um Nahrung und Unterkunft bemühen. Auch heute gesellen sich weitere verirrte Brieftauben oder entflogene Zuchttauben zur Population. Als Nachkommen von Koloniebrütern eignen sie sich zur geselligen Haltung in Taubenschlägen. Dies unterscheidet sie von den als einzelne revierverteidigende Brutpaare lebende Wildtaubenart der Ringeltaube, die als Baumbrüter in Parks und Gärten anzutreffen ist. Andere Wildtaubenarten in unseren Breiten sind die Türkentaube, die scheue in Baumhöhlen brütende Hohltaube oder die selten gewordene Turteltaube. Alle Wildtauben stehen unter Artenschutz! Verstöße werden mit bis zu 5.000 € Geldstrafe oder gar einen halben Jahr Freiheitsentzug geahndet. Die Ursprungsart unserer Stadttauben – die Felsentaube – lebt jedoch in den felsigen Regionen von Südeuropa, dem Mittelmeerraum, Nordafrika sowie Teilen von West- und Zentralasien.

Stadttauben gehören inzwischen zum gewohnten Bild vieler Städte. Auch im Stadtgebiet von Norderstedt sind sie an zahlreichen Orten anzutreffen. Die Stadt Norderstedt bittet Bürgerinnen und Bürger dennoch darum, Stadttauben nicht gezielt zu füttern und insbesondere keine Lebensmittelreste oder sonstiges Futter im öffentlichen Raum oder auch auf Privatgrund zurückzulassen.

Gut gemeint, aber mit negativen Folgen.

Das Füttern von Stadttauben ist häufig Ausdruck von Tierliebe. Ein dauerhaftes und reichliches Nahrungsangebot kann jedoch dazu führen, dass sich die Tiere in großer Zahl an bestimmten Orten konzentrieren. Sie werden dann stärker von den dort vorhandenen Nahrungsquellen abhängig. Zudem stehen im Umfeld dann oftmals nicht ausreichend geeignete Brut- und Ruheplätze zur Verfügung. Die Folge können Konkurrenz, Stress sowie eine erhöhte Anfälligkeit für Krankheiten und Parasiten sein. Gerade für Jungtiere können die Bedingungen problematisch sein.

Die Stadt Norderstedt möchte daher darauf aufmerksam machen, dass regelmäßiges und übermäßiges Füttern den Stadttauben nicht automatisch zugutekommt. Ein verantwortungsvoller Umgang mit den Tieren bedeutet vielmehr, eine unkontrollierte Vermehrung und die damit verbundenen Belastungen zu vermeiden.

Aus Tierschutzgründen empfiehlt es sich, in entdeckten Nestern wöchentlich die Eier durch Kunsteier auszutauschen, um Tierleid durch Überbevölkerung zu verhindern.

Belastungen für das Stadtbild und Gebäude

Das Füttern mit Lebensmittelresten führt zu Durchfall oder gar zum Tod der Tiere. Wo sich viele Stadttauben auf engem Raum aufhalten, können Verschmutzungen durch Kot und Federn entstehen. Betroffen sind insbesondere Gehwege, Plätze, Balkone, Fassaden, Dächer, Fensterbänke und andere Gebäudeteile. Krankhaft veränderten Kot kann aufgrund seiner Inhaltsstoffe zudem Materialien wie Naturstein und Metall angreifen. Die Reinigung und Beseitigung von Schäden kann für Eigentümerinnen und Eigentümer mit erheblichem Aufwand verbunden sein. Eine passive Vergrämung z.B. durch Absperr-Netze oder die Landung verhindernde Schrägbleche ist zulässig. Jedoch verlagert es das Problem nur auf die Nachbargebäude.

Auch wenn von jeglichen Tieren grundsätzlich Krankheitserreger und Parasiten übertragen werden können, sollte das Gesundheitsrisiko nicht überbewertet werden. Nach allgemeiner Einschätzung ist das Risiko einer Übertragung durch frei lebende Stadttauben vergleichsweise gering. Dennoch ist es sinnvoll, größere Stadttaubenansammlungen und damit verbundene hygienische Belastungen möglichst zu vermeiden.

Gemeinsam Verantwortung übernehmen

Die Stadt Norderstedt setzt auf einen verantwortungsvollen und tiergerechten Umgang mit den Stadttauben. Ziel sollte es sein, einen verträglichen Bestand zu erhalten und eine weitere Überpopulation zu vermeiden.

An zwei Stellen in Norderstedt werden Stadttauben von ehrenamtlichen Tierschützern kontrolliert mit Taubenfutter gefüttert. Die größte Population im Bereich des Herold-Centers wird gemäß dem Augsburger Modell mittels Eieraustausch in einem vom Hamburger Stadttaubenverein betreuten Taubenschlag in ihrer Vermehrung reduziert. Im Umfeld von 800 m um das Herold-Center darf daher keine konkurrierende Stadttaubenfütterung stattfinden.

Die Stadt appelliert deshalb an alle Bürgerinnen und Bürger:

•             Bitte füttern Sie Stadttauben nicht zusätzlich.

•             Bitte lassen Sie keine Lebensmittelreste oder anderes Futter auf Plätzen, Gehwegen oder anderen öffentlichen Flächen zurück.

•             Bitte entsorgen Sie Lebensmittelabfälle ordnungsgemäß.

•             Bitte tragen Sie dazu bei, Stadttaubenansammlungen und damit verbundene Verschmutzungen zu vermeiden.

Die Stadt Norderstedt weist darauf hin, dass derzeit keine Allgemeinverfügung zur Stadttaubenfütterung besteht. Bei diesem Aufruf handelt es sich daher um einen Appell an die Bürgerinnen und Bürger, durch ihr Verhalten zu einem verträglichen Miteinander von Menschen und Stadttauben beizutragen.

Die Stadt Norderstedt bedankt sich für die Unterstützung und das Verständnis.

Weiterführende Informationen zu Stadttauben erhalten Sie von unseren ehrenamtlichen Kooperationspartnern Hamburger Stadttauben e.V. (info@hamburgerstadttauben.de)  oder Gandolfs Taubenfreunde Hamburg (G.T.H.@outlook.de). Das nächstgelegene auf Stadttauben eingerichtete Tierheim ist das Tierheim Süderstraße in Hamburg, Norderstedt liegt jedoch in Schleswig-Holstein und verfügt somit über keinen Fundtiervertrag mit diesem Tierheim.

Zuständig für Wildtauben sind die Untere Naturschutzbehörde des Kreises Segeberg (naturschutz@segeberg.de) oder die Wildtierstation Sparrieshoop (erdmann@wildtierstation-hamburg.de).

Ansprechpartner:

Britta von Eschwege

Fachbereich Natur und Landschaft

040-53595-295

gruenplanung@norderstedt.de