Yoshito Fugibe (1937-2014) ohne Titel (1976)
Granit (Findling); max. H: 90 cm, L: 215 cm, B: 100 cm
Moorbekstraße 15
Lessing-Gymnasium, Schulzentrum Nord
ohne Titel (1976)
Der Start des 1. Internationalen Symposium bildender Künstler in Norderstedt im September 1976 war für Yoshito Fugibe im wahrsten Sinne des Wortes steinig. Vor Beginn war der vom Japaner ausgewählte Granitbrocken zerbrochen. Als Ersatz wurde ein Findling vom Stocksee gefunden. Die fertige Skulptur, die sich auf dem Schulhof des Lessing-Gymnasium im Schulzentrum Nord befindet, in Nähe zu Janos van Stryks Objekt ohne Titel, besticht durch ausgewogene Proportionen der sie gliedernden Segmente. Die längliche Grundform erhebt sich leicht geschwungen an beiden Kurzseiten, ähnlich einem Bootsrumpf. Die scheinbare Leichtigkeit der schmaleren Hälfte wird durch die reduzierte Gestaltung der Oberseite unterstützt. Gegenüber umklammern zwei Flächen den kompakten Körper und verleihen ihm visuelle Schwere. Werkzeugspuren verweisen auf den mühsamen Herstellungsprozess und die natürlichen Härten des Materials und bilden einen spannungsvollen Kontrast zu den geometrischen Elementen. Fugibe verbindet so die sachliche Formensprache mit einer sinnlichen Komponente. Die Skulptur ist selbstreflexiv und besitzt keine Hauptansicht. Obwohl sie ungegenständlich ist, finden sich Assoziationen mit dem Meer, z. B. über die Bootsform. Fugibe richtete sich 1972 nach seinem Studium in Tokyo ein Atelier in der Marmor-Steinbruchstadt Carrara ein. Hier lernte er Pierre Schumann kennen, dessen Einladung zu Teilnahmen an Bildhauersymposium im Norden er zahlreiche Male folgte, so auch 1976.
Text: Susanne Schwertfeger