Nardo Dunchi (1914-2010) Scultura urbanistica (1980)
Marmor; H: 270 cm inkl. Sockel, B: 50 cm
Ahrensweg 31
Scultura urbanistica
Die amorph gestaltete Stele Scultura urbanistica aus Marmor entstand im Rahmen des 2. Internationalen Bildhauersymposiums in Norderstedt, ebenso wie z. B. Harry Cecil Noordhoeks Manifest. Sie ist von Aussparungen und Bohrungen durchzogen, die mit der Bewegung der Sonne ein Spiel von belichteten und verschatteten Partien erzeugen. Ihr Titel ordnet die Arbeit in den urbanen Kontext ein, visuell ruft sie jedoch Assoziationen von Bauten staatenbildender Insekten wie Termiten aus der Natur hervor. Dunchi studierte an der italienischen Akademie der Schönen Künste in Carrara und wurde von Arturo Martini beeinflusst. Seine Gestaltungsweise zeigt ebenfalls Parallelen zu Jean Arp und Henry Moore. Während der 1950er Jahre ließ er sich von den Ideen des Informel inspirieren und arbeitete aus dem gegebenen Stein heraus. Dunchis Werke im öffentlichen Raum zeigen eine in sich verschlungene, organisch anmutende Architektur, die nach oben strebt. Das Informel als Reaktion auf die Erfahrungen des Zweiten Weltkriegs befreite sich von der Gegenständlichkeit und betonte die Aussage des Materials und den intuitiven Herstellungsakt. Dunchi setzte damit einen Neuanfang in der Bildhauerei nach der politischen Korruption im Faschismus. Seine künstlerische Auseinandersetzung wurde durch seine Biografie mit den Kriegserfahrungen geprägt. In seinem Werk Armonia di luci ed ombre setzte er noch 2003 ein Zeichen für den Widerstand gegen den Faschismus und für die Befreiung Italiens von dieser Ideologie.
Text: Olya Antonenko-Schmidt