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21. Mai: Frauen bäumen sich auf

Während das HB-Männchen auf allen Mattscheiben regelmäßig cholerisch in die Luft ging, war Frau HB in aller Ruhe gelandet. In den USA, in Chile, in Brasilien, in Südamerika, auf der ganzen Welt. Ohne viel Rauch, ohne Aufhebens hatte sie die qualmenden Männer geschäftlich ausgebootet, bevor die sich die Erste anzünden konnten. Allende wurde ermordet, Flughäfen zerstört, Länder neu geordnet, und Krankheiten brachen aus, sie hob weiter ab. Immer schneller, als die Männer. Davon erzählt sie, noch heute, ein wenig stolz, ein wenig spitzbübisch. Ein lustiges Wort für diese Frau, so unpassend, trotzdem zutreffend. Bei einer Frau, die selbstbestimmt lebt, lebte, die schrieb, vorlas, auf Bühnen spielte, vor allem up platt. Das sie sich nicht madig machen ließ. Platt ut Freesland, wo se grot worn. Bevor sie zur Lebenstour aufbrach. Bei ihr ging alles von selbst, noch bevor das HB-Männchen eine schmökte, um zur Ruhe zu kommen. Da war sie schon weg, nach dem Studium, in der ganzen Welt. Jetzt hier, eine ältere Dame, die viel zu erzählen hat. Von früher, von ihrer Art des Umgangs mit dem anderen Geschlecht. Geschichten, auch von bekannten Männern, die sie traf. Männer trifft es häufig. Nicht nur in der Nacht. Mörderisch. Vor allem Frauen sterben, werden von Männern gemeuchelt, regional und überregional, und sie werden wiederum überführt. Von Frauen. Zielsicher. Gleichfalls dabei gelegentlich gemeuchelt. Von Frauen. In der Ladies Crime Night. Sie werden präsentiert. Die Morde und die Männer. Von Frauen. Tödlich und unterhaltsam. Vereinte Schwestern, die in Prosa morden. Überall. Auch vor Ort. Regelmäßig. In der Ladies Crime Night. Im Sound des Kriminal Tangos. Eine Sopranistin bäumt sich auf, im Nachbarort: Tango Lírico Trio. Die Sonne geht unter, eine Frau schießt mit gezielten Tönen aus ihrer Querflöte auf den Gitarristen. Er wehrt die Sound-Salven ab, mit eigenen Akkorden. Vor begeistertem Publikum. Schaulustig und hörlustig. Südamerikanisch, der HB-Frau hätte es gefallen. Kein Männchen raucht, nur einer bewegt sich, und die Sopranistin lässt ihn tanzen.

High noon vor dem Museum, Kinder tanzen, keinen Tango. Keine Morde, nur Blasmusik. Überall Schlangen. Ungefährlich. Väter stehen mürrisch um Essen und Ballonkraken an. Mütter sitzen um den Kirmes herum, plaudern und applaudieren ihren Kindern, die von dem Elektroreitbullen fallen. Jungen wie Mädchen: Yeah Haw! Die Zukunft feiert die Gegenwart. Attraktionen mit Feuerwehr, DLRG und Rettungssanitäter*innen. Museumsfest bei Sonnenschein. Alle sind dabei, gleichverteilt, gleichberechtigt. Bei Trompetensound, genderneutral, zwei Frauen bäumen sich auf und blasen dem Kapellmeister den Takt. Die Sonne scheint, der Mond lässt auf sich warten.