Sprungziele
Inhalt

7. August: Beim Zeltfest

Er wurde eingeladen, der Stadtschreiber, ganz dezent, von der Dezernentin, wegen seines famosen Gespürs für Kalauer. Und weil er gern dabei sein möchte. Überall. Weshalb er herzlich eingeladen wurde. Trotz der Kalauermanie. Zum Schleswig-Holstein-Musik-Festival im großen Steinzelt, man könnte sagen Scheune, dann wäre das Ganze ein Scheunen-Festival gewesen. Ist es. Mit viel Spaß. Im Feuerwehrmuseum. Wie fünfundreißig Jahre vor seiner Stadtschreiber-Zeit, im Plöner Schloss, als er das letzte Mal beim SHMF gewesen war und ebenfalls ein Duo miterlebt hatte. Damals Vater und Sohn, Yehudi und Jeremy Menhuin, ganz klassisch an der Geige und begleitet am Klavier. Wie in den achtziger Jahren nun ein Duo, ganz anders, Freunde, Jan und Marco, Plewka und Schmedtje, Popgesang begleitet von der Gitarre, let's do the time warp, in die Achtziger. Von Hare-Krishna über Material Girl, Billie Jean bis Forever Young, in der ersten Hälfte musikalische Nostalgie-Comedy pur in Weiß, in der zweiten lauter eingespielte Songlose, gezogen vom Publikum, Rio Reiser, die Beatles und vor allem Eigenes vom Duo, ganz in Schwarz. Es wird Nacht, die Scheunenstimmung steigt. Let's do the time warp again! Gemeinschaftlich zurück in die Adoleszenz. Klatschen und Mitsingen, auch die Dezernentin verliert die Dezenz, singt beherzt mit. Ein Scheunenfestival. Mit Kalauern, nicht vom Stadtschreiber, auf der Bühne gelingen diese besser. Mit Ausgelassenheit, auch vom Stadtschreiber. Das Feuerwehrfest kehrt zu all jenen zurück, die früher schon dabei gewesen waren. Let's do the time warp again! In die Achtziger. But it's the pelvic thrust that really drives you insane! Das Publikum sieht den Sänger singen, tanzen und wanken, das Lied jedoch lässt er aus. Weil es aus den Siebzigern ist. In Essen wird es open-air auf dem Domplatz zeitgleich ausgestrahlt, Rocky Horror, zeitlos. Let's do the time warp again! Am Abend in der Feuerwehrscheune ist alles genauso wie und gleichzeitig anders als in der Kindheit. Da war das alles noch klassischer gewesen, das Musikfestival im Land zwischen den Meeren, das Duo an Klavier und Geige. Wunderschön, nostalgisch in der Erinnerung. Let's do the time warp again! Zu den Beiden damals hätte niemand es gewagt, ausgelassen zu singen. Mitzusingen. Zu Grölen. Das wurde ausgelassen, damals. Das gab's nur auf Feuerwehrzeltfesten. Beim Zeltefest im Stadtpark am nächsten Tag lässt das Publikum es gleichsam aus. Die Stadtwerke feiern den Sommer, mit Musik und bei Regen. In Dutzenden Zelten. Mit Schirmen, Kindern und ausgelassener Stimmung. Mit mythischen Wesen zum Bestaunen und Erschrecken. Auf Stelzen. Nachhaltig. Genuss an den Bäumen, Extrakraxeltour. Der Stadtschreiber tourt an den Informations- und Spaßzelten vorbei, wird angesprochen, quatscht über heute, gestern und morgen. Let's do the time warp again! Zeltfeste in der Nachbarschaft. Wie in den Achtzigern. Mit Spaß, aber weniger Alkohol. Dosenbier ist endgültig oldschool. Gut so. Mehrwegpfand ist aber auch selten zu finden. Beim Zeltfest. Let's do the time warp again!