29. August: Der Stadtschreiber lädt ein ... zum Abschied
Beim letzten Mal lud ich die Autorin Ella Marouche ein, die ich am längsten kenne, diesmal wird es das letzte Mal sein, dass ich als Stadtschreiber einlade, aber dafür diejenigen Künstle*innen, die ich am kürzesten kenne. Die Norderstedter. Künstler- und Bürger*innen. Zur Lesung, zum Gespräch und zum Abschied. Am 30.08.2023 um 19:30 Uhr in der Stadtbücherei in Mitte. Eintritt frei! Im ersten Monat meines Aufenthalts sprach mich eine ältere Dame auf der Vernissage von „Mit dir bin ich ich“ im Stadtmuseum an und lud mich ein, sie näher kennen zu lernen. Eine Autorin, die den ersten Kulturpreis der Stadt gewann. Eine spannende Begegnung, beim ersten wie jedes Mal, wenn ich ihr erneut begegnet war. Auf Lesungen zumeist. Beim Abschied wird sie eine ihrer Geschichten lesen, up platt. Oder vielmehr vortragen, frei, weitestgehend auswendig wird sie diese präsentieren, wie es viele im Ort begeistert von ihren Darbietungen berichteten. Sie selbst sagt dazu mit einem Schmunzeln, das müsse sie ja, weil ihre Augen nicht mehr gut genug sind. Trotzdem hält sie ihre Stadt weiterhin aufmerksam im Auge: Christa Heise-Batt. Bei diversen Veranstaltungen innerhalb der Lesereihe „Der Stadtschreiber lädt ein ...“ traf ich die Norderstedter Autorin, die ebenfalls zu meinem Abschied kommen wird. In der Kirchengemeinde Friedrichsgabe traf ich sie und ihre Schreibwerkstatt-Kolleg*innen, mit viel Prosa und noch mehr Geplauder. Es war ein literarisches Fest. Das ich gern weiterfeiern möchte, zu meinem Abschluss in der Stadt. Deshalb habe ich sie zur letzten Veranstaltung der Stadtschreiber-Lesereihe eingeladen, und sie hat zugesagt, eine Kurzgeschichte mitzubringen: Ingrid Weißmann. Die Einladung zum Abschied geht weiter, der Abend wird weiter gehen: Nach der Kurzprosa wird es ein Kunstgespräch geben, das Publikum, die beiden Autorinnen im Publikum, und fünf weitere Künstler*innen der Stadt werden über das Kulturleben in Norderstedt diskutieren. Es haut jemand Steine, baut sie auf, verteilt sie, bekam dafür ebenfalls schon den Kulturpreis der Stadt. Ihm begegnete ich erstmals zufällig, bei einem Foto- und Interviewtermin mit der ansässigen Kulturjournalistin. Weil ich nicht allein im Strandkorb sitzen sollte, wurde er gefragt, ob er sich mit mir darin ablichten lassen wolle. Wollte er. Wie es später in der Zeitung stand, ein zufälliges Treffen im Park. Das anschließend noch fünf Stunden weiter ging, mit anregendem Austausch über das Dasein als Künstler, plus Fotos von Bildern, eindrucksvollen Steinarbeiten, Kunst im öffentlichen Raum und Skulpturen in der Stadt und in Nachbarorten. Ein kreativer Genuss, der ebenfalls in der Stadtbücherei am Mittwochabend zu erleben sein wird, mit Thomas Behrendt. Im Gespräch. Nicht nur zwei Autorinnen aus der Stadt werden beim Abschied lesen, sondern einer wird mit den Gästen und mir diskutieren, über Möglichkeiten und Schwierigkeiten von künstlerischer Arbeit im Ort. Ihn erlebte ich bei der Release-Präsentation seines neuesten Kriminalromans „Cyberrat“, den er in der Stadtteilbücherei in Garstedt vorstellte. Keine Abkühlung am heißesten Tag des Jahres, mehr ein Anheizen, durch Handlung und Charaktere des Romans. Lokal verortet in Norderstedt und in Hamburg. Hier im Ort erlebte ich ihn direkter erst später, an dem Schwitztag sprach ich ihn nicht an, er signierte eifrig Bücher und plauderte mit seinem Publikum. Da wollte ich nicht stören, zumal mir zu heiß zum Reden war. Mitte Juli kam er zur Release-Party meines Romans ins Stadtmuseum. Wir plauderten. Angenehm. Eine Freude, dass er die Einladung angenommen hat und kommen wird: Matthias Asteroth. Anfang Juni wurde ich eingeladen, um ein Musikevent im Stadtpark zu erleben. NORDwind. Und es war ein überaus abwechslungsreiches Erlebnis, fast nur von Blasmusik beschallt. Von diversen Filmmelodien bis zu klassischen Themen wurde alles gespielt, bei ausgelassener Stimmung der Zuhörerschaft auf den Rängen der Waldbühne. Ein Genuss. Auch in kleinerer Formation am See. Applaus. Für die Frau am Saxophon, in der Gesprächsrunde: Imke de la Motte. Vom NORDwind schlich ich mich schweren Herzens früher davon, um zuerst rechtzeitig bei der Vernissage der Jahresausstellung des Kunstvereins zu sein, und mich anschließend ins Pure Theater zu stürzen. Wozu ich mich selbst eingeladen hatte, um den Herrn Stein in „Des Wahnsinns fette Beute“ zu erleben. Ebenso alle anderen Rollen, die eine bunte Mischung aus jungen und älteren Schauspieler*nnen auf die Bühne ins Kulturwerk brachte. Erneut Applaus. Anschließend gab es noch eine Social-Media-Aufnahme mit mir und der Tochter des Darstellers des Herrn Julius Stein, den ich nun am Abend meines Abschiedes in der Stadtbücherei zum Gespräch empfangen darf: Michael Scharbert. Zudem wird eine weitere Kulturpreisträgern dabei sein, die Künstlerin, deren Werke bis Ende des Monats im Stadtmuseum ausgestellt waren, die dort im Juli ihre Vernissage feierte. Umwerfend schön und eindrucksvoll. „Ein Blick zurück nach vorn“. Das wird sie auch in die Gesprächsrunde mitbringen. Nicht als eigene Schnittkunstwerke oder Gemälde ihrer Mutter, wie im Museum zu sehen war, sondern in Gedanken an das künstlerische Leben in Norderstedt. Ein ums andere Mal waren wir uns begegnet, um mehr voneinander zu erfahren, bei meiner Lesereihe und auch am Tag ihres Offenen Atelier. Und nun zum Abschluss meines Aufenthalts: Beatrix Berin Sieh. Gern hätte ich noch viel mehr Personen und Persönlichkeiten aus dem Ort eingeladen, noch mehr Kulturpreisträger*innen und andere Künstler, von anderen Schreib- und Theatergruppen, von Bands aus dem Ort und aus weiteren Ateliers, engagierte Bürger*innen der Stadt, die ich im Laufe meiner Zeit kennen gelernt habe, aber auf der Bühne ist nur Platz für fünf Gäste. Alle anderen, hoffe ich, in den Stuhlreihen davor sitzen zu sehen, auch für das Gespräch, denn das Publikum soll mitmachen. An meinem letzten Abend in Norderstedt, den ich mit einer kurzen Passage aus meinem Roman und einem herzlichem „Tschüß, bis bald!“ beenden werde.