26. Juni: De Jung mit'n Tüddelband
Match Börner open air. Kein Match. Die Musik fliegt über den Park, bis in die Stadt. Am Eingang zum Festival steht ein Jung mit'n Tüddelband. Für die Besucher, um es um den Arm zu binden. Als Zeichen, dass man dabei sein darf. Ich vergaß, mich um eine Karte zu kümmern, und muss draußen bleiben. Wie Hunde vorm Kaufhaus. Am Tüddelband. Wenn he blots nich mit de Been in'n Tüddel kümmt. De Hund. Er muss draußen bleiben, ich muss draußen bleiben. Die Musik höre ich trotzdem, in meinem Strandkorb, in meinem Schreib-Atelier, im Musikschulkubus.
Vor der Rockmusik kommt eine Gruppe Plattsnacker zum Strandkorb und snackt platt, kloor.
Humor, gute Laune und Sonnenschein bringen sie mit, außerdem Fragen, Geschichten und Gedöns.
Wollen den Anfang meines Romans hören, der im Juli erscheint: „Elbaufwärts fließt bei Ebbe die Ruhr in die Spree.“ Irgendwann fließt Musik vom Festival in den Text, das Lesen treibt lauter dahin, rauscht in die Ohren der Plattsnacker, gefällt ihnen, obwohl es nich up platt is. Im Gegensatz zu den Geschichten, die von ihnen mitgebracht werden. Kindheitsgefühle. Zur Mittagsstunde. Es singen die Plattsnacker zum Abschied vom Jung mit'n Tüddelband. An der Ecke stehe ich, höre zu. Ohne Bodderbrod mit Kees. Während die Plattsnacker gehen, läuft die Musik lauter, Töne unaufhaltsam im Strom. Bis in die Nacht. Und mancher het door seker in de anner Hand 'ne groote Buddel Beer. Am Nachmittag fließen nochmals Wörter, blutig, mörderisch durch die Bücherei in Garstedt, bis in die Köpfe des Publikums. Der Norderstedter Autor Matthias Asteroth kommt ohne großes Getüddel gleich zum Cyberpunkt in „Cyberrat“, zur Wasserleiche mit den abgeschnittenen Ohren in seinem Roman. Alte Hackernetzwerke, kriminelle Netze, weltweit, in der Nachbarschaft. Is 'n Klacks för so 'n Hamborger Jung, also einem Jung aus Norderstedt. Applaus! Auf dem Rückweg schicken mir die Bands vom Stadtparksee ihre Hymnen entgegen. Rockig, fast tanze ich auf dem Fahrrad, muss nur aufpassen, dass ich nicht mit dat Rad un de Dassel op 'n Kantsteen rassel. Ohne Tüddelband kümm ick nich rin, immer noch nicht, daher fahre ich heim zum Schlafen, um am nächsten Morgen ganz andere Töne zu hören. Ebenso schöne. Auf Hof Pein, das Sinfonieorchester der Musikschule spielt Klassik in der Scheune, von Bizét über Dvorák bis zum Mandolinenkonzert von Nepomuk Hummel. Rock'nRoll aus anderer Zeit, zeitlos, rein, instrumental, gleichsam schön. An de Eck vonne Schüür steiht 'n Jung mit 'n Tüddelband. Der steht da, hat nur eines, bindet mir keines an den Arm, obwohl ich eine Eintrittskarte habe. Für das
Konzert. Bei Sonnenschein, summertime. Beruhigend, mitreißend, ideal für einen Sonntagmorgen. Für die meisten schon Mittag. Norderstedter Jungs und Deerns. Ein Genuss. An den Bäumen neben der Scheune hängen noch keine Früchte, ist noch zu früh zum Äppelklaun. Eier, Rum und Eiergrog bekommt man auch nicht, aber Bier, Wein und andere Getränke. Manche laufen vor der Pause los, als die Musiker des zweiten Acts ihre Instrumente aufbauen, um vor den anderen Durstigen da zu sein. Ein Wettrennen mit der Mandoline. Moderiert vom Musikschulleiter. Allegro con spirito. Doch noch Börner gematcht, ganz klassisch. Irgendwie. Und ohne Tüddelband.