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17. August: Ich bin käuflich ...

... wenn es mir gefällt. Und wenn man mich bestellt. Im August wollte ich mir die Gewerbe im Ort anschauen, erleben, genießen. Tue ich, ich schaue. Vier Buchhandlungen, vier Stadtteile, keine Gleichverteilung, einer geht leer aus, eine Rechnung mit Lücke. In Norderstedt in Glashütte. Mit dem Rad nach Garstedt, über den Schmuggelstieg schmuggel ich mich inkognito in den ersten Schmökerhöker hinein, elatus, genau, erhabenen Gemüts schlängele ich durch meine Welt. Bücher. Überall, ausgesucht von Lesegenoss*innen, einsortiert und präsentiert. Und empfohlen. Angenehm. Still. Zuvorkommend. Ich stelle mich vor, plaudere, ich stelle mir vor, wie ich selbst viele Jahre im Himmel der Geschichten gearbeitet habe. Heute wie damals, hier wie dort, die konkurrierenden Mitbewerber sind die gleichen geblieben. Vor Ort in der quirligen Konsumzentrale untergebracht. Identisch im angepriesenen Medium, unterschiedlich in der Auswahl, größer in den Mengen, die jeweils angeboten werden, weniger Abwechslung auf den Raum verteilt. Die Bestsellerhöker im Laden fragen nach meinen Wünschen, geschult und versiert. Freundlich. Angenehm im Überfluss der Stapeltitel. Top secret suche ich meine eigenen Werke, finde sie nicht, weder in den Regalen noch auf den Tischen, keine Spitzenverkaufswerke, literarische Geheimtipps vom stadtbekannten Stadtschreiber. Bestellbar, klar, und überall gleichschnell. Zu bestellen brauche ich sie nicht, habe sie ja selbst geschrieben, und könnte sie an der nächsten Lektürehandelstüre sofort erwerben. Direkt am Rathaus, in der Mitte der Stadt. Auch hier engagierte Schmökerhöker, diesmal werde ich sofort erkannt, weil man mich schon seit drei Monaten kennt. Auch hier plaudern wir. Über Bücher, weil man mich ja schon kennt. Über Lieblingsbücher, Namen, Titel, Schwärmereien, über meine Welt, über deren Welt. Über die Welt des Lesezeichens. Wohin man mir den Weg erklärt, damit ich alle besucht habe, die ich aufsuchen wollte, heute, die ich mir anschauen will. Die letzte Buchhandlung an diesem Tag, die letzte im Ort, in Friedrichsgabe, noch eine Literaturausgabe in der Stadt, eine für jeden Stadtteil, bis auf Glashütte. Die Blicke sagen, dass man mich erkennt, der Flyer zu Lesereihe „Der Stadtschreiber lädt ein ...“ liegt direkt am Eingang. Beratungsangebot, angenehm freundlich, zuvorkommend. Dankbar lächele ich, stelle mich nicht vor, bin müde von so viel Literatur. War zwischendurch noch in der Stadtteilbücherei gewesen. In Friedrichsgabe. Da erkannte man mich, logisch. Büchergespräche. Dort. Hier: Die Blicke sagen, man kennt mich. Draußen, auf den Wegen durch die Stadtteile sagten an diesem Tag nur fünf, sie würden mich kennen, erkannten mich und sprachen aus, wer ich bin. Hier, in meiner Welt, schweigt die Schriftgüterkauffrau diskret. Ich tue es ihr gleich. Nur ein „Tschüß“ purzelt mit Schmökerhall durch die Regalwände bei Verlassen der käuflichen Wortkunstwelt. Es gefällt mir.