11. August: Gefangen im Netz
Der letzte Steertpogg ist vor Jahrzehnten ins Netz gegangen und abgefischt. Oder abgekaulquabbt. Er spiegelt sich seither in der Heimat wider, in den Erinnerungen an die alten Zeiten, als noch die Torfstecher ihre Moorwaren mit dem steertpoggwackligen Handkarren nach Hamburg schoben und die neuesten Gerüchte aus ihren Markt-Netzwerken von der großen Stadt mitbrachten. Die Moore sind ausgetrocknet, kein Torf wird mehr im Ort gestochen, sondern regionale Nachrichten und Ankündigungen durchgestochen, über das Netzwerk der zigtausend verteilten Wochenblätter. Für jeden Haushalt, für jeden Bürger. Miteinander verwobene Netze machen es möglich, diejenigen, die nach Werbern fischen, um jeden Freitag die Lagerhalle mit der neuesten Ausgabe zu füllen, jene Fische, die sie fangen, um die Ausgabe an Land bringen zu können, welche, die vom Marktplatz der Meldungen die Druckreifen aussortieren, und alle, die den Markt bestücken, bevor das Netzwerk an Verteilern samstags den regionalen Fang, die in Papier gewickelten Nachrichten über die gesamte Stadt ausschütten. Alles, was zudem online im Netz zu finden ist. Wer jetzt hofft, dass die Metapher leergefischt sei, sollte lieber sofort aufhören zu lesen. Im Stadtpark über dem biblischen Weingarten spannt sich ein Netz aus Holzbalken, ein stilisiertes Laubdach mit einem Davidstern darüber, der seinen Schatten auf den Boden wirft, wenn die Sonne scheint, durch das Balkennetz scheint. Umrundet von Stille, den sieben Fruchtpflanzen des gelobten Landes und einem weiteren Netz, einem aus Kräuter- und Blütenvegetation. Ohne Freunde und ohne Gefährten, ohne das Chaverimnetzwerk, würde nichts wachsen, hier nichts wachsen, keine Stille, keine Freunde, keine Gefährten. Bis nach Israel und zurück spannen und überkreuzen sich die Fäden, bilden Knoten und Verbindungen, fischen Freundschaften auf und verteilen ihren Fang als Nahrung des Friedens und des Miteinanders. Steine werden nur als Geschenk ins Netz geworfen, Augenblätter wachsen darauf, dem Stadtschreiber als Präsent im Park. Ein weiterer Knoten, ein weiterer Faden. Ein Klub aus Löwen und wenigen Löwinnen spinnt regelmäßg ökonomische, soziale und politische Fäden, zieht an ihnen, wenn jemand etwas braucht. Gleichfalls für den Besucher, der zum Essen am Nachwuchsfußballtrainingslager eingeladen wird, spannt man das Netz aus, wirft sich Bälle zu, will gute Pässe geben, im Freundschaftsspiel das Runde ins Eckige, bis ins Netz bringen. Nachdem das Mahl abgepfiffen wird, beginnt man zu angeln, nach Gerüchten, Meldungen und Erinnerungen. Erst ein wenig im Trüben, weil es die alte, so häufig verwendete Metapher hergibt. Man nimmt ihn aus, den Stadtschreiber, wirft Erkundigungschwimmer aus, was er so macht, wer er ist, wie und wo er lebt, wie er der Stadt und die Stadt ihm begegnet. Was vom Fang übrig bleiben wird. Ein Geflecht aus Fragen wird in den Raum geworfen. Bald benutzt man Schleppnetze, um tiefer auf den Grund zu gehen. Dem Stadtschreiber, dem Ort und dem Leben im Ort. Mit Lücken in den Netzfasern des Weißen Stadtwals, der alle virtuellen Verbindungen einst geschluckt hat. Die analogen sollen hier genutzt werden, um die Besuchslücken des Stadtschreibers zu schließen, zu verknoten und an Land zu ziehen. Freundschaftlich, nett, mit Genuss und einer Flasche Wein zum Abschied. Morgens beim Spieleabend, ohne Ball und Tor, entsteht, weil es hier so sein soll, ein Netz aus neuen Wörtern, Gigahix ist ein harter Gegenstand, Olhompu ein Ort am Südpol, Taromphyr ein liebliches Gewürz und Bruk der vierte Neffe von Donald Duck. Für den Podcast, als Vorschlag zum Spielen, alternativ zu Fußball, aufgelesen in der Stadtbücherei, aufgenommen für das Worldwidenet. In den Weiße-Wal-Fasern werden sich bald neue Knoten bilden, um den digitalen Beitrag online hören zu lassen. Aufgedröselt in viele Fäden wird des Stadtschreibers Dasein, solange er noch da ist. Was er so macht, wer er ist, wie und wo er lebt, wie er der Stadt und die Stadt ihm begegnet ist. Was vom Fang übrig bleiben wird. Das Geflecht aus Fragen, deren Antworten niemandem mehr durchs Netz gehen werden, die immer durchs Netz gehen werden, damit sie jederzeit und fast überall aus dem Infomeer gefischt werden können. Hauptsache man hält die Verbindung zum Neugierhafen. Die Metapher ist ausgenommen, wer all die nervigen Sprachgräten tatsächlich bis hierher allesamt geschluckt und verdaut hat, muss sich dringend Gedanken über seine geistige Ernährung machen und bei seiner nächsten Tour mit dem Steertpogg aus der großen Stadt gesündere und informative Kopfnahrung mitbringen. Vielleicht etwas aus der Kräuter- und Blütenvegetation. Petri Heil!