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Besenheide am Friedhof Friedrichsgabe braucht Pflegemaßnahmen. Betriebsamt sorgt mit fachlicher Arbeit für eine vitale Heide

Mittwoch, 21. Oktober 2020

Norderstedt. Am Friedhof in Friedrichsgabe finden von Dienstag, 27. Oktober an, Pflegemaßnahmen statt. Das Betriebsamt der Stadt Norderstedt wird dort mit modernen Techniken auf dem Friedhofsgelände eine vitale Heide wiederherstellen.

Auf dem Friedhofsareal befindet sich die Besenheide, die auch von der Lüneburger Heide bekannt ist und unter anderem Bienen als wichtige Nahrungsquelle dient. Flächige Besenheidebestände sind über Jahrhunderte infolge einer Flächenbewirtschaftung mit Ackerbau, Viehhaltung und Imkerei entstanden. Durch diese Bodenbewirtschaftung ist ein spezielles Lebensraummosaik für viele heute gefährdete Arten entstanden. Dieser Lebensraum kann in der heutigen Zeit teils nur mit modernen und teils historischen Pflegetechniken in seinem Strukturreichtum erhalten werden.

Die Besenheide (Calluna vulgaris) hat in der heutigen Zeit aufgrund von Stickstoffeinträgen, unter anderem aus der Luft und verursacht durch Industrie, Verkehr und Landwirtschaft, eine deutlich reduzierte Lebensdauer von etwa 10 bis 15 Jahren. Die stickstoffsammelnden Moose und Gräser, die eine vielfach höhere Wuchsleistung gegenüber der Besenheide aufweisen, werden hierdurch im Wuchs gefördert. Das Rotstängelmoos bildet beispielsweise auf der Fläche des Friedhofs Friedrichsgabe teilweise Auflagen von bis zu 15 Zentimeter dicke. Borstgras und Drahtschmiele bilden teilweise flächige Bestände aus. Über kurz oder lang verdrängen diese Arten die Besenheide.

Um eine nachhaltige Pflege der Besenheidebestände zu sichern, muss eine generative Verjüngung aus Samen sichergestellt werden. Eine rein vegetative Verjüngung, wie sie etwa durch Mahd erzielt wird, ist nicht nachhaltig genug, um auf Dauer die Besenheide zu erhalten. Ein Jungaufwuchs von Besenheide und weiterer heidetypischer Vegetation ist aufgrund des örtlich fehlenden Offenbodens kaum möglich.

Angesichts dieser Situation wird die oberflächliche Vegetation nun fachmännisch mit einem Bagger entfernt. Durch diese Maßnahme wird die natürliche Samenbank des Bodens freigelegt und Moose, Gräser und überalterte Besenheide entfernt. Die Besenheidesamen, die bis zu 100 Jahre keimfähig sind, bleiben hingegen im Boden erhalten.

Um die Attraktivität der Fläche zu erhalten, die Wuchsleistung von heidetypischer Vegetation anzukurbeln und gleichzeitig wertvolle Arten mit einzubringen, werden auf einigen Teilbereichen Pflanzungen vorgenommen. Weitere Teilflächen werden mit Saat bestückt. Der Großteil der Fläche bleibt als Rohboden unberührt, um den Austrieb aus der Samenbank des Bodens zu fördern. Ziel ist es, die mosaikartige Struktur der heidetypischen Vegetation mit ihren verschiedenen nachfolgenden Entwicklungsphasen nebeneinander entwickeln zu lassen. Die Pflegemaßnahme fördert die Tier- und Pflanzenwelt in ihrer Vielfalt und sorgt für eine beeindruckende Heideblüte in den Sommermonaten.

Neben der typischen lila-blühenden Besenheide (Calluna vulgaris) werden die Glockenheide (Erica tetralix), Preiselbeere (Vaccinium vitis-idaea) und Blaubeere (Vaccinium myrtillus) sowie behaarter Ginster (Genista pilosa) und schwarze Krähenbeere (Empetrum nigrum) gepflanzt. Diese Pflanzen bilden eine typische Vegetation, wie sie in Heidelandschaften vorkommt.

Durch die Pflegearbeiten kann es zwischenzeitlich zu Beeinträchtigungen im Umfeld des Friedhofes kommen. Die Stadt bittet um Verständnis